Das Resümee vorweg: Wir fahren definitiv noch immer das beste Elektroauto der Welt!
Gestern abend fand in Innsbruck/Tirol bei BMW Unterberger die Präsentation des I3 statt. Da ich ja vor dem recht spontanen Entschluss für eine Ampera dem I3 entgegen gefiebert und auch schon früh im Jahr vorreserviert hatte, beschloss ich, die 200 Kilometer Anreise rein elektrisch (Mit Ampi zum Bahnhof, und dann mit der Bahn nach Innsbruck
Säuerlicher Nebengeschmack an der Veranstaltung: Nebst der Präsentation des neuen Schauraumes, wohl für die I-Linie von BMW vorgeschrieben, sollte am selben Abend auch der neue X5 präsentiert werden. Und nachdem bei den ganzen Ansprachen immer die Rede von X5 und I3 - nicht I3 und X5 (Reihenfolge) war, und zudem der X5 nach langatmiger Vorbereitung der Gäste mit jeder Menge Sekt und Bier als erstes enthüllt wurde, kristallisierte sich für mich immer mehr der Gedanke heraus, dass der I3 in diesem Hause(?) wohl nur Mitläufer ist, nicht Star des Abends.
Aber nun zum Auto an sich:
Schönheit liegt bestimmt im Auge des Betrachters, ich habe den I3 immer recht spannend gefunden vom Design her. Aber so in natura fand ich dann nur ein paar Sweet Spots, die positiv ins Auge stachen (Leuchten, Felgen, Schnauze). Von den Proportionen her kann ich mir den I3 in real nicht mit viel Alkohol schön saufen (vielleicht bin ich mittlerweile einfach von den fließenden Formen meiner Ampera verwöhnt
Navi und Dash sehen seeehr schick aus. Aber mal praktisch gesehen - dieses verwinkelte Armaturenbrett mit freistehenden Displays und vielen schwer zugänglichen Ecken sind die Hölle zum Putzen! - Und wir alle wissen, Staub lagert sich mit Vorliebe da ab
Sitze: Hinten sind die Knie zu stark angewinkelt, man sitzt auf den sehr dünnen Sitzchen ohne Seitenhalt eigentlich auf den Gesäßknochen. Das hältst Du eine halbe Stunde aus, dann wird´s unbequem. Beinfreiheit ist hinten und vorne gut. Aber auch vorne haben die Sitze eher so Pritschencharakter. Dünn gepolstert, kein Seitenhalt. Premium?
Karosserie, generelle Haptik: Spielzeugautofeeling. Als ich am Paneel ganz hinten über dem Heckfenster seitlich etwas mit der Hand zog, machte es klack und ich hatte es vom Clip gelöst...
Beim Ein- und Aussteigen wackelt der Kleine so richtig derbe, kann das nicht beschreiben, aber das hatte so Kutschencharakter (hab mich schon gefragt, ob der Blattfedern hat).
Apropos Kutsche: Die Türen sind ein Graus. Wer hat sich das denn ausgedacht? Der Vorteil der fehlenden B-Säule ist völlig dahin, weil man seinen Hintern beim Einsteigen kompliziert am besten mit Arsch voraus in die Sitzposition einfädeln muss, etwas beleibtere Menschen klappen dazu am besten die Lehne des Vordersitzes vor. Sonst wirds hakelig. Unsere Ampera ist hinten sicher nicht suuuper geräumig, aber immer noch geräumiger zum Einsteigen! Außerdem zeigten sich zwei weitere Mankos der Türenkonstruktion: Angenommen, die hintere Türe steht offen, und irgend jemand kommt auf die Idee, die Vordertüre mit ihren rahmenlosen Scheiben zuzuknallen. Mal schauen, wann es die ersten kaputten vorderen Seitenscheiben gibt...
Ach ja, ein Detail noch zur Haptik, bzw. empfundenen Verarbeitung: Der äußere Türgriff ist auch aus Plastik und ist nur an einem Ende geführt, das andere hat nur so einen 1,2 cm langen Zapfen, der in einem Loch in der Außenverkleidung verschwindet. Dadurch kann man den Griff so lustig in alle Richtungen verwinden, sogar so weit, dass der Zapfen nicht mehr ins Loch geht... Premium?
Fahren konnte man nicht an dem Abend, aber meine Lust darauf ist seit gestern auch genau: +/- 0.
Später dann hatte ich noch die Gelegenheit, mit einem BMW Servicevertreter von BMW Salzburg ein paar Takte zu sprechen. Hab ihn mit ein paar technischen Fragen gelöchert:
1. Fahrleistung des I3 im REX Betrieb generell und wenn Akku leer. Generell wollte mir der nette Herr erzählen, dass das 34 PS Motörchen in der Lage ist, dem Auto die volle Leistung zu geben, vom Speed als auch Beschleunigung her, solange noch Saft im Akku ist. Scheinbar im Pufferbetrieb wie bei unseren Ampis/Volts. OK, die Plastikkutsche hat "nur" 1350 Kilo mit REX, aber mit 34 PS?
2. 100.000 km/8 Jahre Garantie auf die Batterie. Das seien Erfahrungswerte, was man eben geben könne, außerdem sei es ja 8 Jahre oder 100.000 km Garantie. OK, kleines Rechenbeispiel: Der I3 kann zwischen 130-160, im EcoPro 200 Kilometer täglich, ja? Das wären selbst bei nur 100 km täglich Schnitt 36.000 km pro Jahr, ohne Probleme machbar (der gefahrene Schnitt der Deutschen liegt ja bei 70 km täglich angeblich, lt. hauseigenen Studien - aber auch das wären 25.000 pro Jahr - nach vier Jahren wären 100.000 erreicht) - nach weniger als drei Jahren wäre die Garantie futsch. Aber dann wären ja immerhin noch 70-80 % Restladung vom Akku vorhanden... Momentchen. Im Alltag mit Heizung und normaler Fahrweise fährt der I3 im Schnitt an die 100 km, 120 bis 130km bei entspannter Fahrweise, bis er geladen werden muss. Das heißt, nach drei bis vier Jahren läuft er dann noch 70 bis 80 km????
3. Laden in Österreich: Mit optional erhältlicher "Schnell"-Ladevorrichtung, schick im I-Design, kann man den I3 in Österreich mit 220 V, 16 A - entspricht rund 3,5KW zuhause laden. Ladedauer mit dieser SCHNELL-Ladestation für knapp 1000 Euro: 8-10 Stunden laut BMW Mann. Premium?
Zu guter letzt konnte der gute Mann es sich doch nicht verkneifen, den besonderen BMW-Effekt "Freude am Drängeln, äh Fahren" herauszustreichen, und verbal einen Rundumschlag gegen alle Mitbewerber wie Renault, Nissan und, was er besonders hervorhob, auch den Ampera (wohl ein wunder Punkt bei BMW?
Wohlgemerkt: Ich habe dem gegenüber nicht erwähnt, dass ich Ampera-Fahrer bin...
Summa summarum: Der I3 wird bestimmt seine Liebhaber finden, wobei er es sicher schwer haben wird, denn vom Schnitt/Übersicht, Handling ist er klar ein Frauenauto. Dagegen spricht aber die Übermotorisierung und der krasse Nerdfaktor (Frauen haben, so glaube ich, andere Dinge, die ihnen am Auto wichtig sind). So ist die übermotorisierte Plastikschüssel (entschuldigt den bösen Ausdruck, aber den habe ich vom I3 gewonnen - und ich ging hin mit 80 Prozent Kaufvorhaben!!!) wohl nicht Fisch, nicht Fleisch.
Aber BMW kanns ja egal sein, schließlich könne man ohnehin nur 8-10.000 Fahrzeuge pro Jahr fertigen. Und die Auftragsbücher seien voll, vor Mitte nächsten Jahres käme man nicht an sein Fahrzeug, wenn man jetzt sofort bestellen würde. Wer´s glaubt...
Oder geht es BMW am Ende doch nur die Senkung des CO2 Flottenverbrauchs? Diesen Eindruck habe ich gestern Abend mehr und mehr gewonnen, wobei ich mich bisher allen Unkenrufen zum Trotz eigentlich dagegen gewehrt habe.
Resümee für mich: Wir fahren das beste E-Car der Welt, für einen Preis weit unter I3 (der gut ausgestattet mit 34 PS REX´chen über 50.000 Euro käme). Wenn man bedenkt, dass es dieses nun über zwei Jahre auf dem Markt gibt, fragt man sich, was BMW da geleistet hat, außer einem geilen Big Brother is Watching You Connected Drive Navi. Ach ja, der Kofferraum ist zwar nicht größer als bei der Ampera, aber leichter zugänglich. Und gegen satten Aufpreis gibt es adaptive LED Hauptscheinwerfer... whusssaaa
Ich warte nun lieber auf das, was noch kommen möge und fahre so viele km´s wie möglich mit unserer schönen treuen Ampera. Mein Traumauto wäre jedenfalls ein Ampera 2.0 in Karosseriegestalt des auf der IAA präsentierten Monza (gerne auch ohne Flügeltüren
Gruß
Alf