So, heute kam eine Antwort vom ADAC.
Das PDF ist im Anhang.
Sehr geehrte Frau XXXXXXXX,
leider beantwortet weder Ihre Mail noch der Anhang noch die angegebenen Links meine Fragen.
Das PDF ist insofern interessant, daß hier beim Fahrzyklus ein E-Fahrzeug nicht wirklich berücksichtigt wird. Wo ist denn in der Tabelle auf Seite 4 die Bewertung für Schadstoff-Austoß=0g/km?
Falls Sie nun mit dem gerne aufgeführten Argument herkommen und meinen, daß auch bei der Herstellung von Strom CO2 anfällt, ja, stimmt in aller Regel schon, doch dann halten Sie bitte kurz inne und denken Sie nochmal ein wenig nach.
Desweiteren wird in dem PDF nicht berücksichtigt, daß ein Hybrid-Fahrzeug wie der Ampera gar kein Getriebe mit unterschiedlichen Gängen hat. Wenn der Verbrennungsmotor läuft, dann immer im für den gerade notwendigen Leistungsabruf optimalen Drehzahlbereich. Also völlig anders als bei einem klassischen Verbrennungsmotor.
Die im PDF dargestellte Grafik für E-Fahrzeuge spiegelt den Leistungsabfruf bei Elektrofahrzeugen nicht wider. Speziell beim Ampera ist die Kurve bis etwa 75km/h mehr oder weniger linear, danach macht die Kurve einen Knick nach oben (Luftwiderstand).
Wenn der Artikel verkürzt veröffentlich wurde, wo gibt es die Langversion zu lesen? Auf der ADAC-Webseite finde ich dazu nichts.
Somit bleibt für mach das Fazit:
Der Artikel in der Motorwelt ist unter den dort dargestellten Umständen, mit Verlaub, Blödsinn.
Und das lesen all die ADAC-Mitglieder und auch noch andere?
Nicht nur ich habe den Eindruck (ich habe den Artikel im Verwandten-, Bekannten und auch Elektrisch-Fahrer-Kreisen diskutiert) , daß das Ergebnis so hingebogen wurde, daß es irgendwelchen Verbrennungsmotor-Befürwortern in den Kram paßt.
Dazu reicht es schon, einen 5er BMW mit einem Toyota Yaris zu vergleichen, ganz unabhängig von der Antriebsart. Hier werden, im übertragenen Sinne, nichtmal Äpfel mit Birnen verglichen, sondern Bratwürste mit Birnen.
Etwas mehr Objektivität würde ich mir vom größten Automobilclub Deutschlands schon erwarten.
- Hybridtechnik von Porsche: Feigenblatt
Immerhin bis 85km/h und 2km weit, also besser als von BMW! Ist ja echt Wahnsinn.
- Hybrid-Technik von BMW: noch größeres Feigenblatt, weil gar kein rein elektrischer Betrieb möglich ist.
Die i-Serie ist praktisch schon wieder tot.
- Audi? e-Tron 8: weg. Andere angekündigte e-Tron-Modelle: In weiter Ferne (Vapor-Ware würde man in der IT sagen, angekündigt und nie produziert). Das war es wohl mit dem "Vorsprung durch Technik". Von diesem Vorsprung ist nicht viel gebleiben, Audi hechelt auch nur noch hinterher.
- VW mit dem e-UP? Falls (nicht "Wenn") er kommt, dann nur an ausgewählte Händler und als Leasing-Modell, so jedenfalls die aktuellen Informationen.
- Mercedes: reißt auch nichts, läßt seine E-Fahrzeuge (nicht mal richtige E-Fahrzeuge, sondern quasi nur Akku in den Kofferraum und ein E-Motor rein) für den kleinen Kreis bei Tesla-Motors umbauen.
Mit anderen Worten: Mercedes kann's auch nicht, braucht externe Hilfe - und das von dem Startup "Tesla Motors", das früher nie einer ernst genommen hat.
Warum ist in dem Vergleich kein Tesla Model S mit drin? Gegen den sieht der 5er-BMW in allen Belangen und Bewertungskriterien, die im Artikel aufgeführt sind, einfach nur alt aus. Um nicht zusagen uralt, Technik von vorgestern eben.
Der einzige deutsche Hersteller neben Opel, der hier noch etwas auf die Reihe bringt, ist Toyota (den man durchaus so als halbdeutschen Hersteller betrachten kann mit den Werken in und um Köln). Der komplette Antriebsstrang des Opel Ampera wurde in Mainz-Kastel entwicklt. Dort wird die Technik der Zukunft gemacht. Nicht in München, nicht in Ingolstadt, nicht in Zuffenhausen und auch nicht in und um Stuttgart herum. An sich ein Armutszeugnis dieser Hersteller.
Die anderen deutschen Premium-Hersteller greifen Subventionen ab, produzieren damit im Wesentlichen nur heiße Luft und blasen damit weiter ihr CO2 in die Umwelt.
Es wird in diversen Zeitschriftn, auch der ADAC-Motorwelt, suggeriert (steht natürlich nicht so wortwörtlich drin), daß der gemeine deutsche Autofahrer ein Fahrzeug möchte mit folgenden Eigenschaften:
1.) 220km/h Höchstgeschwindigkeit oder noch schneller
2.) Reichweite von 800km oder mehr
3.) hohe Zuladung
4.) in 5 Minuten vollgetankt
Abgesehen davon, daß Nr. 1 und 2 in der Regel nicht gemeinsam möglich sind, stellt sich mir die Frage: Wann benötigt man alle vier Eigenschaften gleichzeitig?
Praktisch nie, würde ich sagen.
So wie sich mir das darstellt, hat sich der Autor des Artikels nicht wirklich mit den Möglichkeiten beschäftigt, sondern hat seine Berwertung auf Grund der Angaben aus den Verkaufsprospekten getroffen.
Nicht nur mir drängt sich der Eindruck auf, daß die Verbrenner-Fahrzeuge gepuscht und die elektrischen Fahrzeuge madig gemacht werden sollen.
Dazu betrachte man sich auch den letzten EU-Vorstoß, nachdem E-Fahrzeuge künstlich laut gemacht werden sollen. Sowas ist ja schon gesetzlich verordnete Körperverletzung.
Lieber ADAC, dagegen müßt ihr vorgehen. Nicht die Autos müssen lauter sein, sondern die Fußgänger müssen sich umdrehen, bevor sie über die Straße rennen.
Von daher wünsche ich mir, daß der ADAC, wenn er schon so einen Vergleich anstellt, auch solche Fahrzeuge hernimmt, die sich auch objektiv vergleichen lassen.
Und dann sollten in einem solchen Artikel auch die Modalitäten des Vergleichs aufgeführt sein, also nicht nur das WAS, sondern auch das WIE. Wenn das WIE nicht gegeben ist, ist der Vergleich nicht nachvollziehbar. Ist er nicht nachvollziehbar und es kommt ein Ergebnis heraus, daß ich nicht so erwarte, stellt sich mir die Frage: Will uns hier jemand für blöd verkaufen?
Jedenfalls ist der Artikel, so wie er abgedruckt wurde, das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt wurde.
Mein Rat an den Autor:
Bitte alles selbst ausprobieren. Es sind derzeit unheimlich viele Vorurteile gegenüber Elektro-Fahrzeugen im Umlauf (Akku brennt und explodiert, geringe Reichweite, umständliches Prozedere beim Laden, lange Ladedauer, ...).
Am besten finde ich dann immer die Leute, die noch nie in einem solchen Fahrzeug gesessen sind und mir erzählen wollen, wie schlecht das doch ist und welche Nachteile man damit hat. Den Autor des Artikels zähle ich zu diesen Leuten.
Ich bin lange Jahre ADAC-Mitglied gewesen und bin es auch noch. Aber in letzter Zeit frage ich mich wirklich, ob das noch sinnvoll für mich ist.
Meine Interessen vertritt der ADAC im Wesentlichen nicht (mehr).
Kreditkarte vom ADAC mit Tankrabatt? Dieser Nutzen schwindet ebenfalls mehr und mehr.
An meinem Fahrzeug muß bei einer Panne etwas repariert werden? Kann der ADAC auch nicht (darf der Techniker vermutlich auch nicht). Reine Abschleppmöglichkeiten gibt es auch anderweitig und günstiger.
Mit freundlichen Grüßen
Markus Dippold