Frage an die Akku-Profis..

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VoltIhrAmpera?
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Frage an die Akku-Profis..

Beitrag von VoltIhrAmpera? »

Da aktuell mein rasenmähertraktor schon fast den höchsten fossilen Verbrauch im Haushalt verursacht, haben mein Paps und ich uns ein gebrauchtes Club Car Golfplatz Fahrzeug zugelegt, das zum Rasenmäher umgebaut werden soll.

Meine Frage ist nun: kann ich die einzelnen bleizellen (8v) ohne sie aus dem Verbund zu nehmen mit meinem computerlader einmal entladen und laden, um die genaue Kapazität der einzelakkus zu erfahren. Oder muss ich Verkabelung abbauen?

Gruß Chris
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Timo
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Re: Frage an die Akku-Profis..

Beitrag von Timo »

Hat der block wirklich nur 8 V ?

das währen dann 4 zellen.

Wieviele Blöcke hat das Teil

und sind die alle in Reihe verschaltet ?

Mehr infos währen gut welchen Lader hat du bzw willst du nehmen ?

und Bilder sind immer gut.

Endladen würde ich sie nicht um die Kapazität zu messen weil wenn du alles rausgeholt hast ist sie Tiefendladen. Ich würde sie Aufladen und die Dichte mal messen.

Sind das offene Zellen oder Vliesakkus ?

Gruss Timo
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georgk111
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Re: Frage an die Akku-Profis..

Beitrag von georgk111 »

Hängt von der Bauform ab. Bei den Golfcarts sind die Einzelzellen meist nicht zugänglich, anbohren würde ich sie nicht. Wie schon geschreiben, wenn es sich um eine Blei-Säure Batterie handelt mal volladen und Dichte der einzelnen Zellen bestimmen. Je nach Spezifikationen sollten die dann 1,28 bis 1,30 spez.Dichte haben. Wenn nicht wird es schwierig. Zu niedrige Dichte kann auf Säureverlust hinweisen (wenn mit Wasser nachgefüllt wurde, eher selten) oder ein Teil der aktiven Masse ist "verloren" gegangen d.h. das Sulfat geht nicht mehr in Lösung (die wahrscheinliche Ursache).

Man kann den gesamte Akku zwar mal Laden-Entladen-Laden mit geeigneten Geräten, aber dazu müssen die Endpunkte exakt eingestellt sein (für Blei-Säure, Blei-Vlies, Gel gelten etwas unterschiedliche Spannungswerte, am besten wie vom Hersteller angegeben). Und die Entladung muss mit geringem Strom erfolgen und sollte nicht unter 20% der Akkukapazität erfolgen, sonst gibt es irreversible Folgen, und die Temperatur sollte um die 25°C sein. Und ich nehme weiters an, dass es sich um zyklenfähige Traktionsbatterien handelt! Nicht mit Starterbatterien versuchen.

Hab da mal eine Excel-Tabelle geschrieben, muss man in den gelben Feldern die Eckdaten einsetzen (Endspannung und Zahl der Zellen), 3.Spalte zeigt Ruhespannung bei unterschiedlichen Ladezuständen, 4. Spalte die zugehörige Dichte. Wichtig: die Entladeruhespannung sollte nicht viel unter 2V/Zelle liegen, die dynamische Entladung mit C/10 kann unter Last schon mal 1.8 oder 1.75V haben. Aber Vorsicht: bei Unterbrechung der Entladung muss die Spannung rasch wieder über 2V ansteigen, sonst Akkuschaden.
Wenn man bis zu dem Punkt entlädt kennt man die Nutzkapazität (=80% und kann 20% draufgeben für die nominelle Gesamtkapazität.
https://docs.google.com/spreadsheet/ccc ... sp=sharing
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he2lmuth
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Re: Frage an die Akku-Profis..

Beitrag von he2lmuth »

Bei abgenutzten Platten im Akku kann die Dichte 1,28 sein und trotzdem ist der Akku hin.
Blei wird geladen und entladen bei 25 Grad mit I20 bis 14,4 bzw.11 Volt. So ist man auf der sicheren Seite und der Akku ist nicht tiefentladen.
Und: So ein Rasenmäher ist ein Hochstromverbraucher, der einen excellenten Akku erwartet :P
L.G. Hellmuth

Es ist keinesfalls ausreichend lediglich keine Überlegungen anstellen zu können, man muss auch unfähig sein diese mitzuteilen.
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VoltIhrAmpera?
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Re: Frage an die Akku-Profis..

Beitrag von VoltIhrAmpera? »

Hi freunde,
Vielen Dank für die Antworten. Da konnte ich bereits so einiges rauslesen.
Der Akku besteht aus 6 Stück trojan t875.
Im Fahrzeug ist der Akku sehr wartungsfreundlich unter der klappbaren Sitzbank eingebaut. Das Golfkart steht zurzeit im poolhaus. Das ist zwar frostsicher, nach Hellmuts aussage dürfte ich aber bei ca 4 grad konstanter Temperatur keine repräsentativen Werte für die mähsaison bekommen.
Sollte es aber nötig sein, die Verkabelung der einzelakkus für diese Maßnahme ohnehin zu lösen, wäre ein Ausbau dieser aber sehr einfach und im temperierten Keller ist dann zumindest das temperaturproblem erledigt.

Gruß Chris
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VoltIhrAmpera?
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Re: Frage an die Akku-Profis..

Beitrag von VoltIhrAmpera? »

Sollten die Akkus das verkraften, soll ein leeres frontmähdeck mit 2 Motor/Messer - Sets aus ryobi akkumähern bestückt und vorne an das Golfkart gebaut werden.

Gruß Chris
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georgk111
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Re: Frage an die Akku-Profis..

Beitrag von georgk111 »

OK, ich hab ein wenig Erfahrung mit Batterien, die baugleich mit den Trojan T125 waren - das waren 6 V Batterien mit 240Ah@20h in einem REVAi, der hatte 8 davon zusammen also 24 Zellen mit 48V Volt Nennspannung.
Die T875 sind also auch Blei-Säure-Traktionsbatterien und damit vergleichbar, außer der "krummen" Spannung von 8V. Theoretisch dürfte man die also im Bereich zwischen 100 und 20% SOC benutzen, mit grosser Vorsicht (und niedrigen Strömen) vielleicht bis 15%. Dann ist Schluß zumal möglicherweise Zellen mit geringerer Kapazität dabei sind.
Das Problem ist die tägliche Behandlung und Pflege. Du kann sie Batterien voll laden und kriegs manchmal trotzdem nur 50% der Kapazität heraus, die sie noch eine Woche vorher hatten. In der Betriebsanleitung dees REVAi stand "einmal pro Woche auf weniger als 30% SOC entladen", also bin oft noch eine Ehrenrunde gefahren, wenn ich am nächsten Tag mehr sals 40 km weit kommen wollte. Aber wenn du 1x/Woche die Battrien fast leerfährst soltle das nur gut sein.
Hier wahllos ein paar Regeln mit Erläuterungen, welche ich in den paar Jahren mit Bleisäure gemacht habe:

o Blei-Säure Akkus sterben in der Hitze, in der Kälte sieht man die (im Sommer verursachte) Kapazitätsminderung. Gibt es gute Literatur dazu wie es sich mit Lebensdauer von Bleibatterien abhängig vom Breitengrad verhält.

o Kalte Batterien mit hohen Strömen benutzen (<< 15°C) ist ganz schlecht, weil die Zellchemie nicht gleichmäßig nachkommt und es dann beim Laden zu Strukturfehlern kommt. Dazu kommt dann noch die Leistungsminderung < 25°C. Faustformeln für aktuelle Kapazität:
jedes Grad über 25°C steigert die Kapazität des Akkus um 0.5%
jedes Grad unter 25°C vermindert die Kapazität um 1%
Trojan hat im Datenblatt auch eine genauere Grafik.

o Batterien nur mit niedrigen Stromen laden, welche für hohe Ströme ausgelegt/benutzt werden verlieren an Leistung ("Bleischwamm" hat nicht mehr die optimale Struktur, der Austausch zwischen innerer und äußerer Säure wird erschwert). Das ist partiell reversibel, sofern sie sondst noch unbeschädigt sind. Googeln nach "Kugelhaufenmodell" z.B. bei Elweb.

o Batterien welche mit niedrigen Strömen geladen werden, verlieren an Kapazität durch Säureschichtung [sofern keine Elektrolytumwälzung implementiert ist] d.h. dichte Säure unten, weit weniger dichte Säure oben, du misst dann falsche [viel zu niedrige] Säuredichtewerte. Dieser Kapazitätsverlust ist reversibel und kann bis zu 50% ausmachen. Wenn das Ladegerät eine sehr hohe Ladeschlussspannung hat, wird durch Gasung und Laden von vielleicht 30% die Schichtung wieder aufgehoben. Die dazu benötigten Spannungen sind aber deutlich über den von Trojan empfohlenen [Konflikt: Mehr Leistung oder normale Lebensdauer]

o Vergiß die Aussagen mit "je weniger Ladezyklen, desto besser" Bleiakkus mögen es nicht wenn sie teilgeladen herumstehen. Punkt. Sie sulfatieren dann und wenn sie lange ruhig stehen, fehlt dann diese Kapazität [welche in den nicht mehr löslichen großen Bleisulkfatkristallen nicht mehr an der chemischen Reaktion teilnehmen]. Das Produkt aus möglichen Ladzyklen x Entladetiefe ist fast eine Konstante, mit einem leichten Optimum zwischen 40 und 60% SOC.

o Manche Leute schwören auf elektronische Desulfatiergeräte, ich konnte keine besondere Wirkung sehen, wahrscheinlich hat eine konsequente Akkupflege (=korrekte Erhaltung der Ladung) die mehrfache Wirkung. Ich kann mich an keine glaubwürdige Studie erinnern, wo Kapazitätsgewinn mit Desulfator UND einer mehrmaligen Serviceladung verglichen wurde.

o Säuredichte - Zellspannung: hängt vom Hersteller ab, Werte zwischen 1.26 und 1.30 sind bei vollgeladenen üblich. Zusammnehang (grob) zwischen Zellspannung und Dichte: Dichte + 0.84. Wenn bei einer Batterie (4 Zellen) ALLE Zellen 1.28 haben, dann darfst du eine Spannung von (1.28+0.84) * 4 = 8.48V Ruhespannung (= mindestens 1 Stunde warten) erwarten. Gilt alles nur bei 25°C.

Jetzt hab ich dich möglicherweise verwirrt. Ich würde es so machen:
o Batterien volladen, z.B. mit 2 kleinen 24V Ladegeräte je 3 in Serie (ausser du hast das Originale, welches auch Erhaltungsladung kann), 12V Geräte gehen ja nicht.
o Säurepegel prüfen, erst jetzt jetzt evtl. mit Batteriewasser ergänzen (Säure kann sonst überrinnen)
o nochmals ein wenig laden, nochmals Säuredichte messen,
o Ruhespannung messen (3 Batterien in Serie sollten so 25,44V haben, s.o.),
o wenn alle passen regelmäßig nachladen (Wochenzeitschaltuhr oder kurz einmal täglich)
o Im Frühjahr dann Ruhespannung messen, definierten Stromverbraucher anhängen (z.B. Scheinwerfer, Elektroheizung), ein paar Kw verbrauchen (vielleicht 4.5kW, also 50% vom nominellen), warten, nochmals Ruhespannung messen, die beiden errechneten SOC Werte in Relation zum tatsächlich Verbrauch setzen.
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Re: Frage an die Akku-Profis..

Beitrag von VoltIhrAmpera? »

Hi Georg,

besten Dank für die nützlichen Infos.
Ich war etwas nervös mit der geringen Kapazität bei den niedrigen Temperaturen und auch nach erst wenigen Tagen Nichtgebrauch....nach Euren Infos kann ich das jetzt besser einordnen :P
Ich werde Euch über die Fortschritte hier auf dem Laufenden halten, evtl sind ja die Ergebnisse/Erkenntnisse für jemanden hier interessant. Ich hatte mich ursprünglich für den Husquarna Rider AKKU- Mäher interessiert, da das meines Wissens der einzige Mäher ist, mit dem man mehrere 1000m² mähen kann - der hat aber einen kleineren Akku und kostet um die 4000,-, ich denke, dass der fertige Golfcar-Mäher unter 2000,- bleiben wird....und die Bastelei macht mir ohnehin Spass.

Gruß Chris
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georgk111
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Re: Frage an die Akku-Profis..

Beitrag von georgk111 »

Etwas offtopic (aber weil es hier endlich mal um Trojan Blei-Säure-Batterien geht :D ): Falls es jemanden interessiert, 1.5 Jahre Reichweitenanalyse von meinem REVA (mit 8 Stück Trojan T125, 6V/240Ah, 48V System), die blauen Balken sind der "predicted range" (wurde ja nach Ladestand aus den "km-driven" - rote Linie hochgerechnet) der schon temperaturabhängig ganz schön nach unten gehen kann. Ich glaub nicht, dass die Batterien im laufe der letzte 1.5 Jahre besser geworden sind, sondern dass ich mich mehr getraut habe :mrgreen: :
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